Schüler-Bootshaus für Bonn: Vorwärts – mit Ausdauer und Geduld       

Seit 2020 haben die Planungen für den Bau eines Schülerbootshauses für den GRC (Gymnasial-Ruder-Club am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium) und den SRC (Schüler-Ruder-Club am Friedrich-Ebert-Gymnasium) gute Fortschritte gemacht. Nach intensiven Gesprächen über unsere Bau-Voranfrage vom März 2021 konnten wir im März 2022 die Stadtverwaltung für unser Konzept gewinnen, das Bootshaus in der Rheinaue so zu bauen, dass keine Bäume gefällt werden müssen.

Nachdem das Stadtplanungsamt 2020 den Vereinen den Standort in Beuel vorgeschlagen hatte, der (ursprünglich für den Umzug des ARC) planungsrechtlich als „Boots- und Vereinshaus“ festgesetzt ist, hatten die Ehemaligen-Vereine von GRC und SRC als künftige Bauherren einen Bau-Entwurf in Auftrag gegeben. Von der „Taskforce“ aus Aktiven, Ehemaligen und Protektoren wurde das international angesehene Büro Baumschlager Eberle Architekten, Hamburg (be) ausgewählt. Der Entwurf sieht ein Gebäude vor, das – beispielgebend für nachhaltiges Bauen – überwiegend aus Holz, in vorgefertigten Teilen errichtet werden soll.

Azszug aus dem Bebauungsplan, der in der Beueler Rheinaue ein „Boots- und Vereinshaus“ vorsieht

Bei der online-Konferenz am 13. Dezember 2020, an der über 60 Aktive, Ehemalige, Eltern, Lehrer und Freunde von SRC und GRC teilnahmen, löste der Entwurf große Begeisterung aus. Es gab viele wertvolle Tipps, kritische Fragen und Anerkennung. Etwa ein Drittel der Chat-Einträge war ein Lob auf die Architekten („wow super“, „Mein ganzer Stolz, ein Bootshaus aus Holz“) oder auf das Taskforce-Team („Super gemacht“, „Professioneller als in vielen Firmen“, „Ergebnis von Eigenverantwortung und Initiative im Bonner Schüler-Rudern“).

Die positive Aufnahme des Entwurfs zeigt auch die unglaubliche Spendenbereitschaft. Bis Anfang Mai 2022 hatten rund 160 Spender zusammen über 110.000€ überwiesen.

Die Spenden mit Beträgen ab 5€, oft dreistellig, gelegentlich fünfstellig, aber auch die Kommentare, zeigen die Wertschätzung, die die Ehemaligen dem Schülerrudern für ihre persönliche und berufliche Entwicklung beimessen. Spenden und ehrenamtliche Unterstützung kommen auch aus dem BRV, von Ehemaligen des GRV und anderen Vereinen. Herzlichen Dank dafür!

Weiteres Ziel neben einmaligen Spenden ist es, aus dem Kreis der Ehemaligen und Freunde 500 bis 1000 Förderer zu gewinnen, die zehn Jahre lang regelmäßig 50€, 100€ oder 200€ spenden oder als Beitrag an die Ehemaligen-Vereine zahlen. Wenn es gelänge, 1000 Langzeit-Spender für 100€ p.a. zu gewinnen, kämen 100.000€ pro Jahr und eine Million Euro als Summe zusammen.

Schüler-Rudern ist ja nicht nur die Ausbildung für eine gesunde Sportart, die man sein Leben lang ausüben kann. Die Selbstverwaltung des Sportbetriebs durch Schülerinnen und Schüler mit Ausbildung, Bootsreparaturen, Wanderfahrten, Finanzwesen, Vorstands- und Mitglieder-Management etc. ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, Verantwortungs-Bereitschaft zu wecken und ehrenamtliches Engagement zu erlernen – ein heute noch modernes Projekt jugendlicher Selbstverwaltung, das vor über 100 Jahren entwickelt wurde. Kein Wunder, dass auch die Stadt Bonn in besseren Zeiten dafür sorgte, dass jedes ihrer Gymnasien einen eigenen Schüler-Ruder-Verein bekam. Das ist sicher einer der Gründe, warum wir in Bonn am Rhein etwa zweitausend Ruderinnen und Ruderer haben.

Angesichts der erzeugten Begeisterung sind wir zuversichtlich, dass der Eigenanteil für einen ersten Bauabschnitt über Spenden und Darlehen aufgebracht werden kann.

Wir versuchen zusätzlich, über das Konzept für Nachhaltiges Bauen Firmen für Spenden oder Sponsoring zu gewinnen.

Der Architekten-Entwurf hat über die Ruderinnen und Ruderer hinaus schon weitere Aufmerksamkeit auf sich gezogen, im Blog koelnarchitektur.de, bei rudern.de des Deutschen Ruderverbandes und bei rudern.nrw .

Das Grundstück in Beuel soll von der Stadt im Erbbaurecht gepachtet werden, wie es bis 1967 auch bei den früheren Schüler-Bootshäusern in der Gronau war. Beim Verkauf der Gronau an den Bund für 90 Millionen DM wurden die beiden Ehemaligen-Vereine für ihre Bootshäuser nicht entschädigt, die Stadt finanzierte stattdessen durch eine Vorauszahlung der Miete für 30 Jahre den Bau einer Bootshalle beim BRV für GRC und SRC (heute Halle 3). Die Stadt hat 2004 den Mietvertrag nicht verlängert, sondern die Vereine bei der Uni in Beuel eingemietet, die den Vertrag 2014 wegen Eigenbedarfs kündigte.

Seither sind die Vereine obdachlos, die Boote werden an wechselnden Orten provisorisch untergebracht, u.a. im Viktoriabad, wie aktuell wieder nach zwei Zwischenstationen in Bad Godesberg. Ein normaler Sportbetrieb ist nicht mehr möglich.

Die Ehemaligen-Vereine von GRC und SRC haben 2021 bei der Stadt einen Förderantrag über einen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent zu den veranschlagten Kosten für den ersten Bauabschnitt gestellt. Das ist der normale Fördersatz nach den Sportförderrichtlinien der Stadt, unabhängig von der Vorgeschichte der beiden Bootshäuser in der Gronau.

Der Antrag wurde unterstützt vom Stadtsportbund, von fast allen Ratsfraktionen und von der Stadtverwaltung, wobei besonders das Engagement von Stephan Günther, dem Leiter des Sport- und Bäderamts, zu loben ist. Von allen Seiten wird begrüßt, dass sich für das bekannte Problem endlich eine Lösung abzeichnet. 2019 hatte der Sportausschuss über alle Fraktionen hinweg einstimmig die Verwaltung beauftragt, eine Lösung für GRC und SRC zu finden. Am Ende der Debatte, 2021, beschloss der Sportausschuss, den Bau mit 125.000 € zu bezuschussen und das Grundstück in Erbpacht zur Verfügung zu stellen.

An EMA und FEG wird das Vorhaben unterstützt von den Schulleitungen, der Elternpflegschaft und den Vereinen der Freunde und Ehemaligen. Über 500 Schülerinnen und Schüler von EMA und FEG haben als Zeichen ihrer Unterstützung ein Papierboot gefaltet und bei GRC und SRC physisch oder digital abgegeben.

Die Perspektive auf ein neues Bootshaus und das vorläufige Ende der Pandemie haben dem Ruderbetrieb bei GRC und SRC wieder Aufschwung verliehen. Beiden Vereinen ist es gelungen, in den letzten Monaten wieder mehr als jeweils 50 Anfänger zu werben, die sich jetzt auf ihre erste Lahnfahrt absolviert haben.

Der vorgesehene Bauplatz ist bisher ungenutzt, neben Spielplatz und Wasserwerk

Aus Beuel-Süd gibt es aber auch Kritik an dem Vorhaben. Einige Bürger sind mit einem Neubau in der Rheinaue nicht einverstanden und meinen, die 100 bis 150 Schülerruderer (im Durchschnitt der letzten zwei Jahrzehnte) mit ihren 30 Booten könnten in einem der vorhandenen Bootshäusern Platz finden. Dies trifft aber nicht zu: An keiner Bootshalle ist Platz für eine zusätzliche Bootshalle von circa 600 qm. Auch viele andere Standorte haben wir mit der Stadtverwaltung untersucht und keine weitere Option gefunden.

Wegen dieser Opposition haben wir bereits begonnen, über Veranstaltungen im kleinen Kreis mit persönlicher Einladung für das Projekt zu werben. Dabei hat sich gezeigt, dass wir nicht nur die Ehemaligen, sondern auch deren Eltern als starke Verbündete haben. Wir suchen deshalb Freundinnen und Freunde des Rudersports, die in Beuel wohnen und als Partner zu einer Informationsveranstaltung mit-einladen.

Direkte Spenden und Werbung von Sponsoren sind natürlich auch höchst willkommen. Mit der Überarbeitung des Architekten-Entwurfs, jetzt nach der Einigung über die Bauvoranfrage, wird das Projekt wieder Fahrt aufnehmen. Wir hoffen, die Baugenehmigung bis zum Herbst 2022 zu bekommen und die Bootshalle in Fertigbauweise bis Ende 2023 zu beziehen.

Über den aktuellen Stand des Projekts informiert die Seite https://rudern-ema-feg.de/ Dort kann man sich für einen Newsletter anmelden und über das Konto für Spenden informieren. Rückfragen gern an die Vorstandsmitglieder der Ehemaligen-Vereine wie Ramin Fleckner und Darius Abidi.

Werner Preusker

Beitrag in leicht gekürzter Fassung in KIELWASSER 2-2022 Juni, Vereinszeitschrift Bonner Ruder-Verein 1882 e.V.

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